Ein bemerkenswertes Duo

Dr. Sören Neuberger und Dr. Fabian Kaiser

Sie lernten sich an der Dualen Hochschule in Mannheim kennen, absolvierten anschließend ein Masterstudium und entschlossen sich zur Promotion. Inzwischen arbeiten Dr. Sören Neuberger und Dr. Fabian Kaiser bei Freudenberg in Weinheim und sind der Beweis, dass wissenschaftliche Karrieren ruhig auch ungewöhnlich starten dürfen.

Sie haben beide jede Menge Papierkrieg hinter sich: Wer nach einem praxisorientierten dualen Studium eine Promotion an einer Universität machen will, der muss zahlreiche administrative Hürden nehmen. Die Zulassungskriterien sind komplex und die Promotionsmodelle äußerst verschieden.

Doch Dr. Sören Neuberger und Dr. Fabian Kaiser haben es gewagt. „Es ist eine verschwindend geringe Anzahl an Absolventen dualer Hochschulen, die diesen Weg einschlägt", sagt Neuberger, der schon mit Beginn seines Studiums vor zwölf Jahren bei Freudenberg anfing. Sein Kommilitone absolvierte sein Studium zunächst bei einem anderen Unternehmen, wechselte nach den Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise, die auch seinen Ausbildungsbetrieb beutelten, zunächst an die Hochschule und nach Abschluss des Masterstudiums zu Freudenberg. Hier fingen beide an, sich mit Dichtungen zu befassen und stellten auch ihre Promotionsarbeiten unter dieses Thema.

Kaiser entwickelte ein Simulationsprogramm, mit dessen Hilfe die Dichtheit von Stangendichtungen berechnet werden kann. Es hilft den Entwicklern, die optimale Dichtungsvariante für die jeweilige Anwendung auszuwählen und deren Leistungsfähigkeit einzuschätzen. Damit können die Kunden die Anzahl der notwendigen Versuche im Entwicklungsprozess deutlich reduzieren.

Neuberger widmete sich der Weiterentwicklung von Levitex, einer gasgeschmierten Gleitringdichtung. Bei Levitex läuft der Gleitring im Zusammenspiel mit dem Gegenring auf einem Luftpolster. Die Grundidee zu Levitex stammt vom Geschäftspartner Burgmann Automotive. Neuberger vereinfachte die erste, noch sehr komplexe Generation und übertrug das für Kompressoren und Turbinen konzipierte Produkt auf den Bedarf von Verbrennungsmotoren. Dadurch sind 90 Prozent weniger Reibungsverluste als bei einem konventionellen Kurbelwellendichtring möglich, was die CO2-Emission um bis zu einem Gramm je Kilometer senkt. Ein industrieweit vielbeachtetes Produkt, das ihm und seinem damaligen Projektteam 2016 den Freudenberg Innovation Award einbrachte.

Und auch Neuberger wollte sich nie nur mit dem sturen Auswendiglernen von Formeln zufriedengeben. „Im Studium haben wir recht schnell gemerkt, dass wir eine ähnliche Art zu Lernen haben und dass wir unser Wissen unbedingt konkret anwenden wollten." Heute verantwortet Neuberger bei Freudenberg Sealing Technologies den Bereich Process and Tool Technology, der vom Leadcenter Simmerring Industry und dem Competence Center Transmission and Driveline gemeinsam genutzt wird, und entwickelt neue formgebende Verfahren für den bewährten Simmerringen. Der 34-Jährige leitet ein 50-köpfiges Team und profitiert täglich von seinem breiten Hintergrundwissen: „Es ist nicht immer leicht, in der Entwicklung wissenschaftlichen Anspruch und wirtschaftlichen Nutzen zu vereinen, aber genau das ist die Herausforderung, die ich schätze."

Es ist nicht immer leicht, in der Entwicklung wissenschaftlichen Anspruch und wirtschaftlichen Nutzen zu vereinen, aber genau das ist die Herausforderung, die ich schätze.

Dr. Sören Neuberger, Freudenberg Technology Innovation

Das Interessante an meiner Arbeit ist die Verbindung von Simulationsberechnungen und anschließendem Versuch.

Dr. Fabian Kaiser, Freudenberg Technology Innovation

Seit 2016 arbeitet Kaiser für Freudenberg Technology Innovation und widmet sich der Tribologie und der Schmierfilmberechnung für verschiedene Freudenberg Anwendungen. „Tribologie befindet sich an der Schnittstelle zwischen Chemie, Physik und den Ingenieurwissenschaften und ist ein sehr spannendes Thema", erklärt der 32-Jährige. „Das Interessante an meiner Arbeit ist die Verbindung von Simulationsberechnungen und anschließendem Versuch." Schon als kleiner Junge wollte Kaiser Dingen auf den Grund gehen und verstehen, warum etwas funktioniert – oder eben nicht.