Verantwortungsbericht 2022

Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz

Menschen und Umwelt im Fokus

Die HSE(Health, Safety and Environment)-Richtlinie enthält die HSE-Prinzipien und konkretisiert die Werte und Grundsätze der Freudenberg-Gruppe für den Bereich HSE. Übergeordnete Ziele sind das Vermeiden aller Unfälle, der vorbeugende Gesundheitsschutz und die kontinuierliche Verringerung negativer Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die Umwelt.

Freudenberg fühlt sich dem Wohl seiner Mitarbeitenden und deren persönlicher Entwicklung verpflichtet. Arbeits- und Gesundheitsschutz werden bei Freudenberg auf allen Hierarchie-Ebenen gefördert und gelebt. Gesundheits-, Arbeits- und Umweltschutz sind integrale Bestandteile aller Prozesse.

Dadurch ist es gelungen, die Zahl der Unfälle in der Freudenberg-Gruppe auf einem im Branchenvergleich niedrigem Niveau zu halten. Zur kontinuierlichen Verbesserung werden bestehende Maßnahmen weiterentwickelt und um innovative Ansätze ergänzt. Der Erfolg im Arbeitsschutz steht beispielhaft für andere Bereiche, in denen Freudenberg sich ebenfalls kontinuierlich verbessert. Neben der Verringerung von Umweltauswirkungen ist dies insbesondere der Gesundheitsschutz.

Die Sicherheit der Mitarbeitenden im Arbeitsumfeld hat für Freudenberg allerhöchste Priorität. Darüber hinaus findet jährlich eine HSE-Woche statt, in der alle Standorte der Freudenberg-Gruppe aufgerufen sind, HSE-Aktionen über die täglichen Arbeitsabläufe hinaus umzusetzen. Schwerpunktthemen im Jahr 2022 waren neben verschiedenen Schulungen zum Arbeits- und Brandschutz auch Maßnahmen im Bereich Nachhaltigkeit, wie das Einsparen von Energie und das Vermeiden von Abfällen. Ebenfalls thematisiert wurde „gesundes Arbeiten“ unter Berücksichtigung von ergonomischen Aspekten – auch beim mobilen Arbeiten. Des Weiteren spielte das Thema Kommunikation im Rahmen von praktischen Übungen zum Notfall- und Krisenmanagement eine Rolle.

Über interne und externe Auditprozesse sowie die Durchführung von einheitlichen HSE-Assessments an den Standorten aller Geschäftsgruppen wird die Umsetzung von internen Standards und Programmen zur Verbesserung der Arbeitssicherheit, des Gesundheits- und Umweltschutzes sowie des Brandschutzes überprüft. Die Erkenntnisse aus den Audits werden systematisch ausgewertet und implementiert.

Managementsysteme

Die Ausweitung der Managementsysteme für Arbeitsschutz (OHSAS 18001 und abschließende Umstellung auf ISO 45001) und Umweltschutz (ISO 14001) wurde im Geschäftsjahr 2022 fortgesetzt.

Zur Verbesserung des Energieverbrauchs und damit zur Verringerung der Umweltauswirkungen durch industrielle Tätigkeit haben viele Standorte Energiemanagementsysteme gemäß DIN EN ISO 50001 beziehungsweise EN 16246 eingeführt.

Investitionen

Der Anteil der direkten Umwelt-, Arbeits- und Gesundheitsschutz-Investitionen an den gesamten Investitionen in Sachanlagen, immaterielle Vermögenswerte und als Finanzinvestition gehaltene Immobilien lag bei 12,2 Prozent (Vorjahr: 10,1 Prozent). Seit dem Jahr 2021 gibt es eine neue zusätzliche Kategorie der Nachhaltigkeitsinvestitionen. Hauptaugenmerk liegt hier auf der Reduzierung des Energieverbrauchs und der Kohlenstoffdioxid-Emissionen. Der Anteil der Nachhaltigkeitsinvestitionen lag im Jahr 2022 bei 2,7 Prozent.

Umweltschutz

Freudenberg fühlt sich dem Schutz der Umwelt verpflichtet und übernimmt Verantwortung dafür, sein Handeln so umweltverträglich wie möglich zu gestalten.

Ziel ist es, nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt über die gesamte Wertschöpfungskette kontinuierlich zu reduzieren, indem das Unternehmen Ressourcen effizienter nutzt, Emissionen verringert, Energie, Wasser und andere Betriebsstoffe einspart sowie Transportprozesse optimiert. An vielen Standorten werden Analysen zu Energieeinsparpotenzialen durchgeführt und die daraus gewonnenen Erkenntnisse umgesetzt.

Freudenberg möchte sein Handeln so umweltverträglich wie möglich gestalten. Ein Beispiel dafür ist der Erfolg von Freudenberg Home and Cleaning Solutions in Salo, Finnland. Dort werden alle am Standort anfallenden Abfälle vollständig wiederverwertet.

Beispielhaft für die Aktivitäten der Unternehmensgruppe im Bereich Umweltschutz steht der Erfolg von Freudenberg Home and Cleaning Solutions in Salo, Finnland. Dort werden alle am Standort anfallenden Abfälle vollständig wiederverwertet. Erreicht wurde dies unter anderem durch die Optimierung der Prozesse, wie die Reduktion von Verschnittmaterialien. Außerdem werden gebrauchte Wischmopps bei Endkundinnen und Endkunden eingesammelt, recycelt und wieder in den Produkten verwendet.

Ein weiteres Beispiel aus dem Berichtsjahr: SurTec Deutschland konnte durch die Optimierung und die intelligente Kombination von Prozessen bis zu 20 Prozent des anfallenden Abwassers reduzieren.

Ereignisse

Im Jahr 2022 gab es in der Freudenberg-Gruppe 55 Umwelt- und Krisenmanagementereignisse (Vorjahr: 46 Ereignisse).

Im März ereignete sich ein größerer Brand am Standort von Freudenberg Performance Materials in Suzhou, China, im Dezember am Standort von Freudenberg Sealing Technologies in Kufstein, Österreich. Des Weiteren gab es kleine Brände an verschiedenen Standorten sowie mehrere Betriebsunterbrechungen durch Stromausfälle oder prozessbedingte Abschaltungen. Bei keinem dieser Ereignisse wurden Mitarbeitende verletzt. Außerdem gab es verschiedene Umweltereignisse mit Freisetzung von Stoffen, die zu keiner Schädigung der Umwelt geführt haben.

Das Jahr 2022 war geprägt von Naturereignissen. Ein schwerer Tornado hat am Standort der Japan Vilene Company in Paderborn, Deutschland, für hohe Gebäude- und Sachschäden gesorgt und zu einer Betriebsunterbrechung geführt. Des Weiteren kam es zu Sturmschäden am Standort von Freudenberg Sealing Technologies in Hamburg, Deutschland. In Weinheim und am Standort von Freudenberg Performance Materials in Hückelhoven, Deutschland, trat aufgrund starken Regens Wasser in Gebäude ein. In Hückelhoven musste deshalb der Betrieb unterbrochen werden. Hinzu kamen Standortschließungen in Australien aufgrund von Überschwemmungen.

Ressourcenverbrauch

Im Jahr 2022 hat Freudenberg 583 Gigawattstunden Energie eingesetzt (Vorjahr: 600 Gigawattstunden). Der Energieeinsatz verteilte sich im Wesentlichen auf folgende Energieträger:

  • fremdbezogene Energie (Strom, Dampf und Fernwärme; 647 Gigawattstunden)
  • Gas (859 Gigawattstunden)
  • Heizöl (14 Gigawattstunden)
  • selbst erzeugte regenerative Energie (3 Gigawattstunden)

Durch die eingesetzten 583 Gigawattstunden sind Kosten von insgesamt etwa 284 Millionen Euro entstanden. Der Anteil der Energiekosten betrug 2,4 Prozent am Gesamtumsatz (Vorjahr: 2,6 Prozent).

Altlasten

Die Rückstellungen für Altlasten wurden im Vergleich zum Vorjahr um rund 3,5 Prozent verringert.

Auf dem ehemaligen Standort von Freudenberg Sealing Technologies in Pinerolo, Italien, wurde der bestehende Sanierungsplan weitergeführt, ebenso die bestehenden Grundwasserüberwachungsprogramme – unter anderem bei Klüber Lubrication in São Paulo, Brasilien, und Freudenberg Sealing Technologies in Montrond, Frankreich.

Am Standort Weinheim und bei Freudenberg Sealing Technologies in Bristol, USA und Chem-Trend in Howell, USA, wurden Überwachungsanforderungen der Behörden umgesetzt.

Gesundheitsschutz

Der Einfluss der COVID-19-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen waren im Jahr 2022 deutlich rückläufig. Dennoch blieben Themen wie Hygienekonzepte, der Umgang mit Krankheitsfällen, das durchgehende Angebot zu Corona-Schutzimpfungen oder das weiterhin weit verbreitete mobile Arbeiten präsent.

In diesem Zusammenhang zeigten sich weltweit steigende Zahlen im Bereich der psychischen Erkrankungen. Dies betrifft leider auch die Freudenberg-Mitarbeitenden. Daher wurden 2022 umfangreiche Initiativen zu psychischer Gesundheit und zum Umgang mit belastenden Situationen oder Erkrankungen an verschiedenen Standorten umgesetzt. In Zusammenarbeit mit einer Betriebspsychologin wurden beispielsweise in Weinheim durch Vorträge, Workshops oder Sprechstunden zahlreiche Mitarbeitende erreicht und unterstützt.

Auch in diesem Jahr wurden im Rahmen der Freudenberg-weiten Initiative „We all take care“ zahlreiche gute und an den Bedarfen der Mitarbeitenden ausgerichtete Projekte eingereicht. Einige Projekte widmeten sich dem Zusammenhalt im Team. Durch gemeinsame Angebote sollen psychosoziale Faktoren wie der Umgang mit der Arbeitsverdichtung oder die Kommunikation zwischen Kollegen gestärkt werden.

Das Gewinnerprojekt in der Gruppe „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ wurde von Freudenberg Sealing Technologies in Weinheim eingereicht. Das Projekt „BIONIC@Components“ deckte auf innovative Weise den Themenkomplex Ergonomie ab. Mithilfe von am Körper befestigten Sensoren werden Belastungen während der Durchführung von Tätigkeiten erfasst, bewertet und anhand eines Avatars digital sichtbar gemacht. Die erfassten Daten können dabei sowohl für die Gefährdungsbeurteilung verwendet werden als auch für Schulungen oder die Neugestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsplätze.

Arbeitsschutz

Für das interne Berichtswesen wird bei Freudenberg die LDIFR (Lost Day Incident Frequency Rate) genutzt. Diese Kennzahl dient als nicht finanzieller Leistungsindikator der Freudenberg-Gruppe. Gemessen werden alle Arbeitsunfälle mit mindestens einem Ausfalltag, bezogen auf eine Million geleistete Arbeitsstunden. Die LDIFR stieg 2022 wieder an und betrug 1,8 (Vorjahr: 1,3). Das entspricht 186 Arbeitsunfällen weltweit (Vorjahr 133).

Im Jahr 2022 ereigneten sich fünf schwere Unfälle. In drei Fällen erlitten die Mitarbeitenden permanente Schäden an Fingern beziehungsweise Händen. Bei zwei Unfällen mussten die Verletzten mehr als sieben Tage im Krankenhaus verbringen, erlitten aber keine bleibenden Schäden.

Beim Arbeitsschutz liegt der Schwerpunkt der Maßnahmen neben dem sicherheitsbewussten Verhalten aller Mitarbeitenden auf der Gestaltung sicherer Arbeitssysteme. Dies zeigen erfolgreiche „We all take care”-Beiträge wie zum Beispiel der Japan Vilene Company, die mit einem Projekt zur Vermeidung von Schnittverletzungen zum ersten Mal an der Initiative teilnahm. Außerdem würdigte die Jury den türkischen Standort Bursa von Vibracoustic für seine bereits zahlreich eingesandten Projektideen. In diesem Jahr ging es beispielsweise um die Vermeidung von Kollisionen mit Robotern.

Die interne Safety-Boost-Initiative wurde im Jahr 2022 mit veränderten Schwerpunkten fortgeführt. Der Schwerpunkt lag auf Arbeitsanweisungen und verborgenen Routinen sowie Gefährdungsbeurteilungen bei kritischen Tätigkeiten. Die Kommunikation kritischer Ereignisse wurde intensiviert. Dabei werden unsichere Situationen, Arbeitsunfälle, Umweltereignisse und Brände mit hohen Risiken untersucht und Freudenberg-weit berichtet.

Das Thema Sicherheitskultur wurde durch die Weiterentwicklung der „Sicherheitskultur-Bewertung“ vertieft. Die regelmäßige interne Überprüfung der jeweiligen Sicherheitskultur der Standorte setzt sich zunehmend in den Geschäftsgruppen als verpflichtendes Programmelement der Safety-Boost-Initiative durch.