Nachhaltig naschen

Ob Schokolade, Gummibärchen oder Lakritz: Süßwaren sind ein wachsendes globales Geschäft. Mit seinem Know-how unterstützt das Freudenberg-Unternehmen Capol die Industrie, ihre Produkte vielfältiger und nachhaltiger zu gestalten.

Etwas Süßes gefällig? Ein Stück Schokolade nach dem Mittagessen oder Lakritz auf dem heimischen Sofa zum TV-Krimi? Wie immer die Entscheidung auch ausfallen mag, man ist damit in guter Gesellschaft: Süßwaren – zu denen statistisch auch Salziges und Backwaren gezählt werden – sind beliebt, quer durch alle Milieus, rund um den Globus. Im Jahr 2018 naschte die Erdbevölkerung im Wert von rund 166 Milliarden Euro – Tendenz steigend, vor allem in Asien, dem Mittleren Osten und Nordafrika. 

quality control of Carnauba wax

Qualitätskontrolle: Im Wareneingang von Capol werden Carnaubawachs-Proben genommen.

two technicans in laboratory

Die Techniker von Capol beraten Kunden ausgiebig, wenn es um die Auswahl und Anwendung von Produkten geht.

sugar-coated tablets rotate in a drum

Kleine Dosis, große Wirkung: Während Drageés in einem Kessel rotieren, wird ein Glanzmittel hinzugegeben.

Chocolate dragées with a glossy layer

Schokodragées sehen deutlich appetitlicher aus, wenn sie eine Glanzschicht erhalten.

Süßigkeiten sind ein gutes Geschäft, und ein dynamisches. Permanent tüftelt die Branche an globalen und regionalen Neuerungen, kleineren oder größeren Innovationen, mit denen sich Kunden überraschen und überzeugen lassen. Wie in vielen anderen Branchen auch, sind Konsumenten dabei achtsamer und interessierter denn je und fordern mehr Transparenz ein. „Wir registrieren, dass Verbraucher zunehmend fragen, welche Zutaten in Süßwaren enthalten sind, woher sie stammen und wie sie sich auf Mensch und Umwelt auswirken“, sagt Christian Hauk, Geschäftsführer des zur Freudenberg Gruppe gehörenden Unternehmens Capol. „Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema.“

Capol mit ihren weltweit 90 Mitarbeitern hat daran einen nicht unerheblichen Anteil. Die Firma ist seit Jahrzehnten spezialisiert auf die Oberflächenbehandlung von Süßigkeiten und Marktführer in ihrem Segment. Mit ihren gut 300 Produkten sorgt sie zum Beispiel dafür, dass Gummibärchen nicht verkleben, Dragées glänzen und Lakritzschnecken sich geschmeidig entrollen lassen. Zu den Kunden zählen viele kleine und nahezu alle großen Süßwarenhersteller weltweit, deren Produkte – wortwörtlich – in aller Munde sind.

In Capol-Produkten werden unterschiedliche Rohstoffe aus aller Welt verwendet, zum Beispiel Gummi Arabicum sowie Carnauba- und Bienenwachs.

Forschen und optimieren

Die Menge der von Capol eingesetzten Wachse, Harze und Öle in einer Süßware ist zwar im Vergleich zu den übrigen Zutaten sehr gering, sie hat es aber in sich. „Trenn- und Glanzmittel sind für Optik, Haptik und Haltbarkeit entscheidend“, erklärt Hauk. „Unsere Kunden wünschen immer häufiger nicht nur qualitativ herausragende, sondern zudem nachhaltig angebaute und weiterverarbeitete Rohstoffe, denn die Verbraucher fragen aktiv danach.“ Und so haben sich die Forscher und Technologen von Capol auf den Weg gemacht, alternative Produkte zu entwickeln. Wie sinnvoll das ist, zeigt sich am Beispiel Palmöl. In der Süßwarenindustrie ist es beliebt, weil es hitzestabil und haltbar ist, bei Körpertemperatur rasch schmilzt und sich im Mund angenehm anfühlt. Zudem hat eine Ölpalme einen vergleichsweise hohen Ertrag an Öl pro Fläche. Es gibt aber auch Nachteile: Riesige Regenwaldflächen in Indonesien und Malaysia sind Ölpalmen-Plantagen zum Opfer gefallen, die extensive Monokultur laugt Böden langfristig aus.

„Der Anbau in zertifizierten Plantagen ist ein wichtiger Fortschritt, zu dem wir stehen. Deshalb engagieren wir uns in der RSPO-Initiative, die nachhaltige Anbaumethoden fördert“, sagt Britta Beer, Leiterin der Forschung und Entwicklung von Capol.

Parallel dazu hat ihr Team Sonnenblumenöl zu einer vollwertigen Alternative entwickelt. Fast drei Jahre forschten und tüftelten die Mitarbeiter insbesondere daran, die Haltbarkeit von Sonnenblumenöl zu erhöhen. Dabei drehten sie an vielen Stellschrauben und optimierten den gesamten Produktions-Prozess: von ausgesuchten, hochqualitativen Bezugsquellen über den Einsatz von Antioxidantien bis hin zu einer schonenden Logistik und Lagerung, bei der das Öl möglichst selten mit Wärme und Sauerstoff in Kontakt kommt. „So ist es uns erstmals gelungen, Produkte auf Basis von Sonnenblumenöl zu einer qualitativ exzellenten Alternative zu Produkten auf Palmölbasis zu machen, die bei unseren Kunden gut ankommt und die Ressourcennutzung diversifiziert“, so Beer. 

 

Teamwork: Die Forscher und Technologen von Capol um Chefin Britta Beer (l.) bei der Arbeit.

Smart und sensibel

Um einen anderen Aspekt von Nachhaltigkeit geht es bei der Zutat Schellack. Der Naturlack, dem zum Beispiel Schokokugeln oder -nüsse ihre glänzenden Oberflächen verdanken, wird traditionell in Ethanol gelöst, damit man ihn weiterverarbeiten kann. Beim Glänzen gibt ein Arbeiter die Zutaten in eine Mischtrommel, der Alkohol verdampft und wird als Bestandteil der Abluft in die Umwelt geleitet. „Die Sensibilität in diesem Bereich wächst“, sagt Hauk. So schreiben beispielsweise Gesetze in den USA nicht nur Grenzwerte in der Produktion vor, um Mitarbeiter vor den Alkohol-Ausdünstungen zu schützen. Sie legen auch fest, welche Mengen an Ethanol-Dämpfen eine Süßwarenfabrik in die Umgebung abgeben darf und welcher Mindestabstand zu Wohngebäuden eingehalten werden muss. Außerdem gibt es weltweit eine wachsende Nachfrage nach Halāl-Produkten, die islamischen Speisevorschriften entsprechen. Der Genuss von Alkohol, und sei es auch nur eine sehr kleine Menge, ist dabei verboten. 

Capol begegnet diesen Herausforderungen auf zweierlei Weise: „Zum einen haben wir so genannte All-In-One-Produkte entwickelt, bei denen Glanz und Versiegelung gleichzeitig aufgetragen werden“, sagt Beer. Sie basieren im Wesentlichen auf Zucker und Wasser, sind vegetarisch und ersparen dem Kunden einen Produktionsschritt, was sich günstig auf den Energie- und Ressourcenverbrauch auswirkt. Zum anderen hat Capol Schellack-Alternativen auf Basis von Maisproteinen und Zellulose im Portfolio. So wird das Unternehmen einer Vielzahl an Kundenanforderungen in der ganzen Welt gerecht.

Prüfender Blick einer Capol-Mitarbeiterin: Haben die Schokodragées den gewünschten Glanz?

Verbesserungen zeichnen sich auch bei einem anderen natürlichen Rohstoff ab, der für Capol und die Süßwarenindustrie bedeutend ist: das als Glanz- und Trennmittel fungierende Carnaubawachs. Es stammt aus der nahezu ausschließlich in Brasilien gedeihenden Carnaubapalme und wird aus ihren Blättern gewonnen, die mit einer pulverförmigen Wachsschicht benetzt sind. „Die Art und Weise, wie das Wachs geerntet wird, war Anlass für Diskussionen und Kritik, die Behandlung und Bezahlung der Arbeiter ist bisweilen verbesserungswürdig“, sagt Hauk.

„Es gibt aber auch sehr verantwortlich und umsichtig agierende Wachshersteller, die bewusst auditiert und zertifiziert werden möchten.“ Gemeinsam mit ihnen und mit großen Süßwarenherstellern hat Capol einen bis heute andauernden Dialog gestartet. Und auch wenn Capol ein vergleichsweise kleiner Akteur ist: „Unsere Stimme wird gehört“, sagt Geschäftsführer Hauk. „Wir diskutieren mit, skizzieren Alternativen und helfen, Normen für eine nachhaltige Produktion auszuarbeiten. Das ist der für uns richtige Weg, um das Thema langfristig voranzubringen.“


Stories

Windkraft

Hoch hinaus

Mehr
sea turtle

Plastikflaschen dichten Dächer ab

Wertvolle Kunststoffkrümel

Mehr