[Translate to Deutsch:] Going green, turning red

Aus alt mach rot

Kunststoff wiederzuverwenden ist sehr sinnvoll, aber nicht einfach. Ein Freudenberg-Team in den USA stellt aus recycelten Polypropylen-Kügelchen rote Produktteile für die Marke Vileda her. Das Rezept macht weltweit Karriere.

Um Plastikmüll zu vermeiden ist es sinnvoll, Kunststoff wiederzuverwenden. Das ist allerdings nicht einfach. Ein Freudenberg-Team in den USA hat hier eine clevere und nachhaltige Lösung gefunden. Aus recycelten Polypropylen-Kügelchen werden rote Produktteile für die Marke Vileda hergestellt. Das Rezept macht weltweit Karriere.

Plastik ist so etwas wie das schwarze Schaf in der Familie: Es gehört zum täglichen Leben, aber zeigen möchte man sich mit ihm nur ungern. Im Haushalt wird es zwar häufig verwendet, weil es vielfältig einsetzbar, bruchsicher und leicht ist. Aber Plastikmüll ist nur schwer biologisch abbaubar und verschmutzt die Meere. Das hat zu Konsequenzen geführt: Seit Anfang Juli 2021 sind in Deutschland und allen anderen EU-Mitgliedsstaaten Wattestäbchen, Einweggeschirr und anderen Wegwerfprodukten aus Plastik verboten. Dies sieht eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2019 vor. „Weltweit machen Kunststoffe einen Anteil von 85 Prozent der Abfälle an Stränden aus“, hatte das Europaparlament das Verbot begründet.

Auch wenn Plastikmüll nicht in der Umwelt landet, ist er Anlass für Kritik. Denn sogar in Recycling-Hochburgen wie Deutschland endet nach wie vor mehr als die Hälfte des entsorgten Kunststoffs in Müllverbrennungsanlagen. Dies liegt vor allem daran, dass die Wiederverwertung nicht so einfach ist wie die von Glas oder Papier. Denn Plastik ist nicht gleich Plastik. Es gibt viele verschiedene Sorten und nur wenige lassen sich mischen. Ansonsten wäre das neu gewonnene Material von minderer Qualität.

Der Vorteil dieses so genannten postindustriellen Materials ist, dass es sich quasi um Neumaterial handelt. Es ist also noch nicht verschmutzt.

Jim Merret, Regional Senior Manager Procurement North America Production

 

Der Freudenberg-Geschäftsgruppe Freudenberg Home and Cleaning Solutions (FHCS) bietet hier eine nachhaltige Lösung an.Es geht umso genannte Kunststoff-Rezyklate – also bereits genutztes, wiederverwertetes Plastik.

Das US-Äquivalent der weltweit bekannten Marke Vileda ist O-Cedar. Wischmopps, Eimer, Kehrschaufel und -besen dieser Marke gehören zum Standardsortiment fast jedes Kaufhauses und Drogeriemarktes. Das markante Rot in den Produkten musste früheraus neuem Kunststoff hergestellt werden.

Doch dann gelang es einem Team von FHCS am US-Standort Aurora (Illinois), aus recycelten Polypropylen-Kügelchen auch rote Produktkomponenten im Spritzgussverfahren herzustellen. Zuvor war dies nur für die grauen Anteile der Produkte möglich. Der Grund ist einfach: Hier verwendet der Zulieferer des Kunststoffs verschiedenfarbige Abfälle und färbt sie dunkel ein.

Teamwork mit den Handelspartnern

Damit die roten Komponenten dem speziellen Vileda-Farbcode entsprechen, bedarf es jedoch eines transparenten Ausgangsmaterials. Das kommt aus der Industrie, vor allem von Automobilzulieferern, bei denen in der Produktion viel Ausschussware anfällt. „Der Vorteil dieses so genannten postindustriellen Materials ist, dass es sich quasi um Neumaterial handelt. Es ist also noch nicht verschmutzt“, so Jim Merret, Regional Senior Manager Procurement North America Production. Dies ist die Voraussetzung, um die notwendige Reinheit für die hohe Qualität der Vileda-Produkte zu erhalten.

 

„Zero Waste“-Programm

Leider reicht diese Bezugsquelle aber nicht aus, um den Bedarf zu decken. Hier kommt einer der größten Handelspartner von FHCS ins Spiel. Der Platzhirsch im US-Einzelhandel hat ein „Zero Waste“-Programm aufgelegt und ist dankbar, wenn ihm ein Lieferant seinen Abfall abnimmt. Ausgangsmaterial könnengroße Transport- und Aufbewahrungsboxen sein, die vor dem Verkauf beschädigt wurden, oder beispielsweise Verpackungen für Produkte wie Einweg-Kontaktlinsen. Aber auch weißes Material komme zum Einsatz. So bekommen etwa ehemalige Eimer mit Zutaten für die Bäckereien in Supermärkten nach vorheriger Reinigung nun in den Vileda-Produkten neues Leben eingehaucht.

Zwei Jahre dauerte es, bis die roten Teile erstmals unsere internen Qualitätstests bestanden“, erinnert sich Merret. Man müsse sich das vorstellen wie die Arbeit eines Kochs an einem neuen Rezept.

Bis dahin war es ein weiter Weg. Die Arbeit mit dem Zulieferer an einer exklusiven Formel für farbloses Copolymer Polypropylen (PP), wie es die Experten nennen, begann bereits 2014. „Zwei Jahre dauerte es, bis die roten Teile erstmals unsere internen Qualitätstests bestanden“, erinnert sich Merret . Man müsse sich das vorstellen wie die Arbeit eines Kochs an einem neuen Rezept, erklärt er: „Die eingehenden Abfallprodukte werden in den Zulieferbetrieben getestet, um festzustellen, welche Eigenschaften das Material hat. Hat man das herausgefunden, werden im 'Trial&Error-Verfahren' die weiteren Zutaten abgestimmt.“ Das seien beispielsweise Additive zur Beeinflussung der Schmelztemperatur oder sogenannte Schlagzähmodifikatoren, die das spätere Produkt bruchfest machen.

Das richtige Rezept

Doch das Ergebnis stimmte zunächst noch nicht vollends glücklich. Zwar war nun Recyclingkunststoff auch für die roten Teile im Einsatz, doch die Formel war noch nicht für alle Produkte geeignet. „Es gab bestimmte Leistungskriterien für Stabilität, die wir noch nicht erfüllen konnten“, so Merret. So wurde weiter geforscht. Seit einigen Jahren nun ist in der Produktion keine Umstellung der Maschinen mehr erforderlich - egal ob das Ausgangsmaterial herkömmlicher Kunststoff ist, ob es sich um reines Rezyklat handelt oder um Mischungen beider Stoffe.

Durch diese und weitere Innovationen hat FHCS in den letzten Jahren den Anteil an recycelten Kunststoffen in seiner Produktpalette kontinuierlich erhöht. Bei Vollkunststoffprodukten stieg der Wert von 15 auf mehr als 40 Prozent. Fast alle Vileda-Kunststoffverpackungen sind mittlerweile wiederverwertbar. Außerdem hat das Unternehmen die Initiative „Love it Clean“ ins Leben gerufen, eine Initiative für mehr Nachhaltigkeit. (Quelle: https://www.vileda.de/de/love-it-clean)

Währenddessen ruht sich das Entwicklungsteam in Aurora nicht aus und arbeitet weiter an nachhaltigen Innovationen. So werden künftig immer mehr Produkte aus den FHCS-Werken von Freudenberg aus wiederverwertetem Plastik sein – auch dank der Kochkünste des Aurora-Teams.

  • Sichtprüfung
    Eine Produktionsmitarbeiterin bei der Sichtkontrolle. Die Erfahrung zeigt, dass Produkte aus Rezyklat eine ebenso hohe Qualität haben, wie jene aus neuem Plastik.
  • Tragebügel
    Der rote Tragebügel aus 100 Prozent recyceltem Material wird vollautomatisiert am Eimer befestigt.

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