Alte Flasche, neues Leben

Ob in der Winterjacke, im Teppich oder im Besen: Freudenberg produziert vielfältige Produkte, die recyceltes PET enthalten. Drei Geschäftsgruppen zeigen, was in den alten Flaschen steckt.

Getränkeflaschen aus Polyethylenterephthalat (PET) erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit: Ihr geringes Gewicht freut nicht nur den Verbraucher, es reduziert verglichen zu Glasflaschen auch den CO2-Ausstoß beim Transport. Außerdem sind sie wiederverwertbar.  In Deutschland werden jedes Jahr 90 Prozent aller PET Flaschen recycelt und erhalten ein neues Leben – sowohl als Flasche, Folien als auch als Fasern in den unterschiedlichsten Anwendungen. Drei Freudenberg-Geschäftsgruppen machen es vor.

Das Leben einer PET-Flasche

Flaschen auf die Straße bringen

Für Oyama Chemical Company in Tokyo, ein Unternehmen der Freudenberg-Geschäftsgruppe Japan Vilene Company, gehört die Herstellung von Fasern aus recyceltem PET bereits seit 1974 zum Kerngeschäft. Aus diesen entstehen bei Japan Vilene Company Vliesstoffe für Autoinnenverkleidungen, die zu 97 Prozent aus recycelten Fasern bestehen. Das Unternehmen hat sich über die Jahre ein umfassendes Know-how angeeignet, vor allem wenn es um die Viskosität – also die Zähflüssigkeit – von recyceltem PET geht.

So konnten die Mitarbeitenden in den letzten Jahren ihre Prozessschritte permanent weiterentwickeln: 2019 stellte Oyama aus rund 370 Millionen PET-Flaschen kleine Flakes für den Eigenbedarf her, die ein neues Leben fanden – zuerst als Fasern und anschließend als Verkleidung an Türen und Dach im Autoinnenraum. Mit dieser cleveren Wiederverwendung des Einwegprodukts Flasche in langlebigen Alltagsgegenständen trägt Oyama nicht nur dazu bei, das Müllaufkommen zu reduzieren, sondern spart auch kostbare Rohstoffe.

Weil das Recycling boomt, stiegen allerdings zuletzt die Preise für recycelte PET-Flaschen, daher hat Oyama seine Anlagen zum Herstellen von Flakes aus den Flaschen im Juni 2020 stillgelegt. Mit seinem Know-how in diesem Bereich kann das Unternehmen aber Fasern aus extern recycelten PET-Chips herstellen.

Wir sehen große Chancen in der Textil- und Bekleidungsindustrie, vor allem in den Bereichen Polstermaterial oder Isolierungen für die Outdoor-Nutzung

Masahiro Amagasa, General Manager bei Oyama

An den Produkten von morgen arbeiten die Entwickler von Oyama schon heute. So forscht das Freudenberg-Unternehmen intensiv an weiteren Anwendungsmöglichkeiten für recyceltes PET. Trotz endlicher Rohstoffe sind der Fantasie für neue Produkte auf Basis von PET-Rezyklat keine Grenzen gesetzt. „Wir sehen große Chancen in der Textil- und Bekleidungsindustrie, vor allem in den Bereichen Polstermaterial oder Isolierungen für die Outdoor-Nutzung“, sagt Masahiro Amagasa, General Manager bei Oyama.

 

Nachhaltiger Modetrend

Wenn es darum geht, die Flasche sicher in der Tasche zu haben, hat die Geschäftsgruppe Freudenberg Performance Materials die Nase vorn. Vor mehr als 30 Jahren begann das Unternehmen mit dem Wiederverwerten von alten Flaschen. Heute, ein Vierteljahrhundert später, ist es einer der wichtigsten Recycler von gebrauchten PET-Flaschen in ganz Europa. Seit nahezu 30 Jahren schon nutzen die Experten recyceltes PET in Vliesstoffen, die in der Modeindustrie weltweit in die neuesten Kollektionen eingenäht werden. Nicht erst seit gestern also ist die Flasche auf dem Laufsteg gefragt. Während sich die alte Flasche im neuen Gewand als Textilfaser wiederfindet, kommt sie in der Bauindustrie – einem weiteren Kerngeschäft von Freudenberg Performance Materials – als Membran oder Isolierung zum Einsatz.

Ein großer Anteil der 2,5 Milliarden PET-Flaschen, die die Freudenberg-Geschäftsgruppe jährlich in den Werken in Novedrate und Pisticci, Italien, sowie im französischen Colmar recycelt, erhält in zahlreichen, eigens entwickelten Produkten ein neues Leben.

Eine dieser Innovationen im Textilbereich sind die comfortemp® Fiberball Paddings. Die weltweit erste Wattierung aus zusammenhängenden Faserbällchen besteht zu 100 Prozent aus recyceltem PET, lässt sich aber dennoch wie eine herkömmliche Wattierung verarbeiten. Die innovative und vor allem nachhaltige Alternative zu Daunen bietet weitere Vorteile: Trotz ihrer Atmungsfähigkeit ist sie robust und einfach zu pflegen Deshalb eignet sich comfortemp® bestens als wärmende Zwischenschicht in Outdoor- und Wintermode. „Es war eine Herausforderung, mit recyceltem Polyester ähnliche Eigenschaften zu erreichen, wie sie Daunen haben“, sagt Sarah Ziem, R&D Specialist bei Freudenberg Performance Materials Doch es hat sich gelohnt: Die Rücksprungfähigkeit von comfortemp® bietet große Vorteile. Dank dieser Eigenschaft können die Faserbällchen vakuumverpackt und kompakt verschickt werden. „So sparen wir Platz, Transportkosten und CO₂-Emissionen – das ist gut für die Umwelt“, so Ziem.

Außerhalb der Textilindustrie nutzt Freudenberg Performance Materials recyceltes Polyester für Trägermaterial für Teppichfliesen und Teppichböden, um Geräusche zu dämmen. Auch in sogenannten Sauberlaufmatten, die unter anderem in Eingangsbereich von Gebäuden verwendet werden, findet man die alten Flaschen. Im Baubereich verwandeln die Freudenberg-Experten das recycelte PET zu Vliesstoffen für den Schall- und Wärmeschutz. Sogenannte Bitumenmembrane wiederum kommen in Hausdächern zum Einsatz: Dort imprägnieren und stärken sie die Dachabdichtungen, so dass Feuchtigkeit keine Chance hat einzudringen.

Alte Flasche, besenrein

Neben ihrem Einsatz in den Bereichen Auto, Mode und Bau findet man alte Flaschen auch in anderen Produkten des Alltags wieder – etwa bei Putzutensilien. Seit fast 15 Jahren nutzt Freudenberg Home Cleaning Solutions am Standort Roncello in Italien PET-Rezyklat: Mehr als 97 Millionen Flaschen werden hier jedes Jahr in Besenborsten für die Marke Vileda umgewandelt. Hierfür kommen die Flaschen als Flakes zu Freudenberg Home and Cleaning Solutions. Dort werden sie in einem Extruder bei 280 Grad Celsius in lange Filamente geschmolzen. „Am einfachsten stellt man sich das wie eine Spaghetti-Presse vor“; erklärt David Partiti, R&D Manufacturing Director EMEA bei Freudenberg Home and Cleaning Solutions in Roncello. „Die Filamente kommen anschließend zur Aushärtung in ein Wasserbad und werden so lange gedehnt, bis sie die gewünschte Dicke erreichen.“

Die Borsten der Vileda-Besen haben einen Durchmesser von weniger als einem Millimeter und sind so dünn wie ein menschliches Haar. Anders als die Teigware müssen die Filamente aus recyceltem PET jedoch nicht nur lange halten, sondern auch bruchfest sein.

„Für die Produktion unserer Besenborsten verwenden wir am Roncello-Standort heute schon mehr als 80 Prozent recyceltes PET“, sagt Partiti. Der Bedarf wächst und Freudenberg Home and Cleaning Solutions forscht bereits heute an weiteren Produkten aus recyceltem PET. So hat die Geschäftsgruppe im Jahr 2020 ein Mikrofasertuch aus 100 Prozent wiederverwerteten PET-Kunststoffflaschen auf den Markt gebracht. Damit lassen sich Oberflächen im Haushalt effektiv und nachhaltig reinigen.

Für die Experten in der Reinigungstechnologie ist PET jedoch nicht der einzige Werkstoff, dem neues Leben eingehaucht wird. Auch andere Kunststoff-Rezyklate, wie aufbereitetes Polypropylen, werden für neue Produkte genutzt, beispielsweise für die Produktion von Eimern.

Together für eine bessere Zukunft

Ob im Besen oder in der neuesten Modekollektion – alte Flaschen haben einen hohen Mehrwert. Das zeigen die Experten der drei Freudenberg-Geschäftsgruppen, die jährlich aus rund fünf Milliarden PET-Flaschen ressourcenschonend neue Produkte herstellen.

Die Nachhaltigkeit von Produkten und Prozessen gehört seit jeher zur gelebten Verantwortung von Freudenberg. Gerade der Einsatz von recycelten Rohstoffen wirkt sich materialeffizient aus – so kann man vorhandene Ressourcen nutzen, die andernfalls teuer entsorgt werden müssten, und gleichzeitig den Einsatz von zusätzlichem Material vermeiden. 

In der Öffentlichkeit wächst das Bewusstsein für nachhaltige Produkte kontinuierlich. Umwelt- und Klimaschutz stellen eine grundlegende Bedingung dar, um Zukunftsaufgaben zu bewältigen. Freudenberg baut mit innovativen Ideen kontinuierlich sein Portfolio an nachhaltigen Produkten aus. So treibt das Technologieunternehmen den Einsatz nachhaltiger Rohstoffe weltweit voran.

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