Interview mit Dr. Krauch

"Wir haben die richtigen Weichen gestellt"

Dr. Tilman Krauch, Mitglied des Vorstands der Freudenberg Gruppe, über den Stellenwert von Forschung und Entwicklung im Konzern und die Strategie, vielversprechende Innovationen zu fördern. 

Freudenberg Group CTO, Dr. Tilman Krauch

Herr Dr. Krauch, es heißt immer, das Tempo der gegenwärtigen technologischen und ökonomischen Veränderungen in der Welt sei rasant. Stimmen Sie zu?

Dr. Tilman Krauch: Ja, der Wandel ist tiefgreifend, vor allem in den Bereichen Digitalisierung, Mobilität und Nachhaltigkeit. Unser Platz in der Wertschöpfungskette verändert sich. Systeme und Services sowie ein noch tieferes Verständnis von komplexen technologischen Zusammenhängen gewinnen an Bedeutung. Das ist eine Herausforderung für uns, die wir gerne annehmen. Innovation und Wandel sind seit jeher die DNA von Freudenberg. Seit 170 Jahren begleiten und prägen wir den technologischen Wandel mit eigenen Entwicklungen und gezielten Technologie-Akquisitionen.

Was heißt das in Zahlen? Wie sind Forschung und Entwicklung bei Freudenberg aktuell aufgestellt?

Dr. Krauch: In dem Bereich sind 3.590 Mitarbeiter tätig. Im Jahr 2018 investierten wir rund 444 Millionen Euro in Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten – gut 17 Millionen mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem Anteil am Konzernumsatz von 4,7 Prozent. Noch nie lag dieser Wert höher! Parallel dazu messen wir die Effektivität dieser Investitionen, indem wir prüfen, wie hoch der Anteil von Produkten am Gesamtumsatz ist, die jünger als vier Jahre sind. Er stieg 2018 leicht auf 33,6 Prozent. Wir sind auf einem guten Weg.

Auch künftig? Skizzieren Sie uns bitte Ihre Innovations-Strategie.

Dr. Krauch: Wir haben aus einer Fülle spannender Megatrends und Wachstumsthemen 20 konkrete so genannte Opportunities herausgearbeitet – vielversprechende Projekte und Geschäftschancen, an denen wir systematisch arbeiten. 2016 haben wir eines neuen Zielbildes für die Corporate Innovation bei Freudenberg (FTI) im Projekt Horizon etabliert. Wir bündeln das Wissen und die Kräfte im Konzern, um vermehrt langfristige Großprojekte gemeinsam mit und für unsere Kunden zum Erfolg zu führen. Die Zusammenarbeit der Freudenberg Geschäftsgruppen ist dabei elementar. Ein wichtiges Element für diesen übergreifenden Wissenstransfer sind unsere Technologieplattformen.

Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Dr. Krauch: Aktuell sind insgesamt neun Technologieplattformen aktiv: Digitalisierung, Medizintechnik und Hygiene, Vliesstoffe, Dichtungstechnik, Formgebung, Reibung/Verschleiß und Schmierung, Oberflächentechniken, Polymere, Mischungen und Reaktionen. Hier identifizieren wir Querschnittsthemen mit dem Ziel, innovative Technologien zu entwickeln, die den Business Gruppen Geschäftserfolge ermöglichen. Dafür erarbeiten wir Kompetenzen in den entsprechenden Feldern und stellen sie den Geschäftsgruppen zur Verfügung. So füllen wir unseren Anspruch – „Innovating together“ – mit Leben.

Unsere Innovationskraft trägt dazu bei, einen Mehrwert für unsere Kunden und die Gesellschaft zu generieren. Wir arbeiten als Team zusammen, um Exzellenz, Effizienz und Nachhaltigkeit voranzutreiben und unser erfolgreiches Unternehmen auszubauen. (Dr. Mohsen Sohi, Freudenberg Group CEO)

Wie sieht das praktisch aus? Wo und wie entstehen bei Freudenberg Innovationen?

Dr. Krauch: Wir arbeiten kontinuierlich an Neuheiten und Verbesserungen in zahlreichen Geschäfts- und Lebensbereichen, von denen unsere Kunden profitieren. Das gilt im Besonderen für die fünf Finalistenprojekte beim diesjährigen „Freudenberg Innovation Award“, die durch großen Einfallsreichtum sowie hohe Effizienz und Qualität überzeugen. Der Award ist die höchste unternehmensinterne Auszeichnung, um herausragende Innovationsleistungen unserer Mitarbeiter zu honorieren. 

Sticht dabei persönlich etwas für Sie heraus?

Dr. Krauch: Mich faszinieren die Bandbreite und Exzellenz, mit der unsere Mitarbeiter im Team Lösungen für hochkomplexe Projekte finden. Dazu gehören etwa ein neuartiges, modulares Katheter-Konzept und ein High-Tech-Material für Sport- und Funktionsbekleidung. Zudem umweltfreundliche Beschichtungen mit hoher Korrosionsbeständigkeit, innovatives Produktdesign durch die Zukunftstechnologie der atomaren Simulation und last but not least die Verbesserung des industriellen Prozesses zur Abdichtung von Brennstoffzellen. Diese Vielfalt ist beeindruckend.

Wenn Sie heute 15 oder 20 Jahre in die Zukunft blicken, was sehen Sie dann? Wie wird sich Freudenberg mit Innovationen beschäftigen?

Dr. Krauch: Entscheidend ist in meinen Augen, mit welcher Haltung und Unternehmenskultur wir an das Thema herangehen. Wie wir unser Wissen und Know-how in der globalen Zusammenarbeit pflegen und wachsen lassen. Wie wir die Neugier, Begeisterung und Eigenverantwortlichkeit unserer Mitarbeiter fördern. Wie wir die Rahmenbedingungen dafür schaffen, in funktionierenden Teams neue Technologien sowie lukrative Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ich bin davon überzeugt, dass wir dafür die richtigen Weichen gestellt haben.


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