balloon catheters coated by Freudenberg

Healthcare

Alles im Fluss

Vor allem ältere Menschen leiden häufig unter verengten Blutgefäßen – eine ernste Bedrohung für die Gesundheit. Die von Hemoteq – einem Unternehmen von Freudenberg Medical – innovativ beschichteten Ballonkatheter können nicht nur die Lebensqualität der Patienten spürbar verbessern. Sie leisten darüber hinaus einen wirksamen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Die Gefahr lauert tief im Innern des menschlichen Körpers: verengte Blutgefäße. Diese durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) entstehenden „Stenosen“ verursachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die weltweit zu den häufigsten Todesursachen zählen. Verstopft ein Blutgerinnsel ein verengtes Herzkranzgefäß vollends, kommt es wegen der ausbleibenden Versorgung mit Sauerstoff meist zum lebensbedrohlichen Herzinfarkt. Ist die Halsschlagader von der Gefäßverengung betroffen, besteht die Gefahr eines Schlaganfalls. Und sind schließlich die Becken- und Beinarterien durch Arteriosklerose verengt, kann die periphere arterielle Verschlusskrankheit auftreten, umgangssprachlich auch Schaufensterkrankheit genannt. Die Erkrankten haben wegen der Durchblutungsstörungen beim Gehen Schmerzen in den Beinen und machen daher selbst bei kurzen Strecken oft Pausen – zum Beispiel vor Schaufenstern.

Dr. Hans Krankenberg

Ablagerungen in den Gefäßwänden

Doch wie kommt es zu der gefährlichen Gefäßverengung? „Sie entsteht durch die über Jahrzehnte zunehmende Ablagerung von Plaques – also Blutfetten, Blutgerinnseln, Bindegewebe und Kalk – in den Gefäßwänden. Zu den Risikofaktoren zählen Rauchen, Fettstoffwechselstörungen mit erhöhten LDL-Cholesterinwerten, Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes Mellitus. Bewegungsmangel über Jahre ist von großer Bedeutung. Die Arteriosklerose ist im fortgeschrittenen Stadium zwar nicht heilbar, aber mittlerweile gut behandelbar“, erklärt PD Dr. Hans Krankenberg, Chefarzt für Angiologie am Asklepios-Klinikum in Harburg. Der Facharzt für Innere Medizin, Angiologie und Kardiologie befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit den Folgeerkrankungen der Arteriosklerose, insbesondere mit der Schaufensterkrankheit. Dabei musste er feststellen, dass konservative Behandlungsmethoden in ihrer Wirkung begrenzt sind: „Eine gesunde Lebensweise, Nikotinverzicht, Gewichtsreduzierung, gerinnungshemmende Medikamente wie Acetylsalicylsäure (ASS) sowie häufiges Gehtraining – das alles kann zwar helfen, wird von vielen Patienten im Alltag aber nicht umgesetzt“, weiß Hans Krankenberg aus Erfahrung.

Therapie der Wahl: mit Medikamenten beschichtete Stents und Ballonkatheter

Wesentlich effektiver ist die Behandlung mit Stents und Ballonkathetern. Stents sind röhrchenförmige, meist metallische Implantate von wenigen Millimetern Durchmesser. Sie werden in einem minimalinvasiven Eingriff an den Engstellen der Gefäße platziert, um den Blutdurchfluss wiederherzustellen. Bei der sogenannten Ballondilatation wird ein filigraner Ballon an einem dünnen Katheter exakt zu der Stenose geführt und anschließend aufgeblasen, um das Gefäß mechanisch zu weiten. Der Ballonkatheter wird unmittelbar nach dem Eingriff wieder entfernt. Häufig werden beide Verfahren miteinander kombiniert. Dennoch ist es möglich, dass sich die Blutgefäße nach einigen Monaten erneut verengen. Um das Risiko dieser Re-Stenose zu reduzieren, ist mittlerweile die Beschichtung der Stents und Ballonkatheter mit zellwachstumshemmenden Medikamenten die Therapie der Wahl.

Präzise wie ein Stempel

Und hier kommt die zu Freudenberg Medical zählende Hemoteq AG ins Spiel: Nach langjähriger Forschung ist es dem Unternehmen gelungen, durch eine innovative Beschichtungstechnologie die arzneimittelabgebende Ballondilatation entscheidend zu verbessern. „Beim medikamentbeschichteten Ballonkatheter wird der Wirkstoff von der Ballonoberfläche direkt in die Gefäßwand abgegeben“, erläutert Dr. Michael Hoffmann, CEO und Mitgründer der Hemoteq AG. Das Know-how liegt – wie immer bei Freudenberg – sowohl im Material als auch im Prozess. Zum Ersten eruierte das Forscherteam von Hemoteq, welches Medikament mit welchen Formulierungseigenschaften zur Beschichtung des Ballonkatheters sowie zur Aufnahme in die Gefäßwand optimal geeignet ist. Nach zahlreichen Studien kommt dabei in der Regel das Medikament Paclitaxel zum Einsatz. Denn es kann - unter Zusatz spezieller Hilfsstoffe - auf der Ballonoberfläche winzige nadelförmige Kristalle ausbilden, die sehr gut in die Gefäßwand übertragen werden können. „Wir haben erreicht, dass der Ballon den Wirkstoff wie ein Stempel an die Gefäßwand drückt und ihn somit präzise überträgt“ so Dr. Hoffmann. Paclitaxel ist eigentlich ein Krebsmedikament, das aber auch bei Gefäßerkrankungen, bereits in einer geringen Dosis, in der Gefäßwand Wucherungen verhindern kann und somit das Blutgefäß dauerhaft offen hält.

Der Ballonkatheter: Der Ballon am Ende des Schlauches wird an die Verengung im blutführenden System des Körpers geführt. Dort dehnt er sich aus und weitet so das Gefäß.

Innovative Beschichtungstechnologie

Zum Zweiten ist entscheidend, wie Hemoteq das Medikament auf den Katheter aufträgt. Der fertige aber noch unbeschichtete Ballonkatheter wird im gefalteten Zustand angeliefert. Nun kommt es darauf an, den Ballon in der korrekten Dosierung mit dem Medikament rundum gleichmäßig zu benetzen. Dies ermöglicht das sogenannte Tropfenschleppverfahren: In einer speziellen Vorrichtung trägt eine bewegliche Düse einen Tropfen der Beschichtungslösung auf die Oberfläche des sich drehenden Ballons auf. Der Tropfen wird kontinuierlich über die gesamte Länge des Ballons „geschleppt“ und dringt dabei auch tief in die Falten ein. Dieser äußerst effiziente, kameraüberwachte und automatisierte Beschichtungsprozess von Hemoteq gewährleistet, dass im erkrankten Blutgefäß die optimale Wirkstoffdosis freigesetzt wird und dort bis zur Heilung wirksam bleibt.

Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit

Der Clou: Dank der Hemoteq Technologie wird die Ballonbeschichtung deutlich effizienter: Die Paclitaxel-Dosis auf dem Ballon kann - verglichen mit anderen industriellen Lösungen - deutlich reduziert werden, natürlich bei vergleichbarer Wirksamkeit. "Diese Reduktion verbessert in vielfacher Hinsicht die Nachhaltigkeit – der Gesundheitsaspekt ist eines der Kernthemen von Freudenbergs Nachhaltigkeit", sagt René Heilmann, Marketingleiter bei Freudenberg Medical. Zuallererst profitieren die Patienten, da sich durch die geringere Arzneimitteldosis die Therapiesicherheit verbessert: weniger Nebenwirkungen, weniger Nachbehandlungen.

René Heilmann

Das führt zusammen mit der hohen Wirksamkeit der Produkte zu mehr Lebensqualität. Erheblich ist auch der Beitrag zum Umweltschutz, denn weniger Wirkstoff bedeutet auch Reduzierung des zytotoxischen Abfalls im Krankenhaus. Und nicht zuletzt sinken die Produktionskosten, eine gute Basis für eine mögliche finanzielle Entlastung des Gesundheitssystems.  Dr. Krankenberg ist mit dem medizinischen Fortschritt der beschichteten Ballonkatheter zufrieden: „Studien und die klinische Praxis zeigen, dass sich die Offenheitsraten der so behandelten Gefäße deutlich erhöhen und sich damit der Gesundheitszustand der Patienten messbar verbessert.“ Allerdings fügt der Mediziner hinzu: „Die Forschung geht weiter, das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.“ Klar ist: Freudenberg tut alles, um weitere wegweisende und nachhaltige Innovationen voranzutreiben – auch zur Therapie von Gefäßverengungen.


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