Wissenschaftler und Unternehmer in Personalunion

Dr. Denis Reibel

Chronische Wunden zielgerichtet behandeln – mit scaffolene® geht Freudenberg neue Wege in der Wundversorgung. Das innovative Vlies aus bioresorbierbaren Rohstoffen kann vom menschlichen Körper abgebaut werden. Und die in das Vlies eingearbeiteten Medikamente, Enzyme oder Hormone gelangen direkt an die zu behandelnde Wunde. Dr. Denis Reibel leitet das Projekt und ist fasziniert – von den Möglichkeiten des Produkts und von seinem breiten Aufgabenspektrum.

Dr. Denis Reibel

Alles begann vor genau zehn Jahren: Als die Anfrage eines Kunden nach einem medizinischen Gelatine-Vliesstoff bei Dr. Denis Reibel, damals noch Leiter der Abteilung Fasern und Kunststoffe bei Freudenberg Forschungsdienste, landete, hatten er und seine Kollegen eine bahnbrechende Idee: Was wäre, wenn es einen bioresorbierbaren Vliesstoff gäbe, der Medikamente und Enzyme direkt an die Stellen des Körpers bringt, an denen sie gebraucht werden? Gemeinsam mit zwei weiteren Mitarbeitern übernahm Reibel, inzwischen Head of scaffolene bei Freudenberg Technology Innovation, den Aufbau eines kleinen Start-ups im Rahmen eines New Business Development-Projekts.

Zum Tag der Erfinder am 9. November haben wir Dr. Denis Reibel mit dem Smartphone bei der Arbeit begleitet.

„Unsere ersten Versuche machten wir noch mit einer Zuckerwattemaschine“, erinnert sich Reibel und schmunzelt. „Inzwischen produzieren wir im Reinraum unter strengen medizinischen Qualitätsanforderungen.“ Und zwar mit einer Maschine, die Reibel und sein Team selbst entwickelt haben.

Ein Spinnrotor verarbeitet hierzu ein Polymer ohne Einsatz schädlicher Lösemittel und unter niedrigen Temperaturen zum entsprechenden Vliesstoff. Das fertige Produkt ist ein wahres Multitalent: Im trockenen Zustand ist es flexibel und reißfest, nass bleibt es formstabil und kann je nach Bedarf modelliert werden. So lassen sich scaffolene®-Vliesstoffe problemlos an alle Oberflächen anpassen. Außerdem können wasserlösliche und wasserabweisende Eigenschaften bei der Produktion eingestellt oder gezielt Zusatzstoffe eingebaut werden. Doch nicht von Anfang an klappte alles so reibungslos. „Wir haben viel gelernt und Niederlagen eingesteckt“, so der passionierte Volleyballspieler und Vater von 19-jährigen Zwillingen. „Aber wir sind alle mit Leidenschaft dabei und glaubten immer fest an unser Produkt und daran, dass es Menschen helfen kann, gesund zu werden.“

Inzwischen ist scaffolene® seit etwa zwei Jahren auf dem Markt und das Team auf neun Mitarbeiter angewachsen. Eine zweite Produktidee befindet sich gerade in der finalen Entwicklung. Das Handeln zwischen Wissenschaft und Entrepreneurship ist eine spannende Herausforderung für Reibel. „Hier kann ich mich mit allen Belangen eines kleinen Unternehmens befassen“, so der 49-jährige Franzose. Der studierte Polymerphysiker und -chemiker nimmt für seinen spannenden Job eine weite Anreise in Kauf, denn er pendelt täglich zwischen dem Elsass und dem 130 Kilometer entfernten Weinheim. „Von Produktentwicklungsthemen über Kundengespräche bis hin zum Vertrieb und rechtlichen Fragen – kein Tag ist wie der andere und immer herausfordernd.“