Digitalisierung: Bange machen gilt nicht!

Damals

Wer sich – so wie ich bei der Freudenberg IT – im Jahr 2017 mit Marketing- und Kommunikationsaufgaben rund um Themen wie Industrie 4.0 oder Cloud beschäftigen darf, hat das eigene Handwerk höchstwahrscheinlich noch im sogenannten „analogen Zeitalter“ erlernt. In meinem Fall ist der berufliche Startschuss vor ziemlich genau 22 Jahren in einer Kölner Werbeagentur erfolgt. Damals war die Welt noch eine andere.

Natürlich stimmt das nicht wirklich, aber es stimmt sehr wohl in Bezug auf ein Phänomen, das wir heute die „Digitale Transformation“ nennen. Genau wie jetzt, haben wir damals viele Stunden vor unseren Bildschirmen verbracht und genau wie jetzt waren wir damals schon ziemlich stolz aus unsere (agenturtypischen) Computer mit dem Symbol eines angebissenen Apfels. Allerdings waren wir permanent offline, denn es gab nur einen einzigen Rechner mit Internetanschluss. Zumindest in meiner Agentur. Die berühmten TV-Spots mit dem noch berühmteren deutschen Tennisspieler, der glücklich verkünden durfte „Ich bin drin“ (im Internet), feierten erst ganze vier Jahre später Premiere. Und Google war noch nicht erfunden.

Digitalisierung und Industrie 4.0: Maschinen, Werkzeuge und Produkte werden durch Sensoren zu Datenquellen.

Nahezu unvorstellbarer Weise konnte man auch in diesen Zeiten an seinem Rechner arbeiten. Ganz ohne Suchmaschinen. Im Wesentlichen bestand unsere Arbeit darin, Kunden mit passenden Kreativ-Leistungen zu überzeugen und dann „klassische“ Werbekampagnen zu realisieren. Vornehmlich mit Zeitungsanzeigen, auf Großflächenplakaten oder in Form postalischer Massenanschreiben.

Was die Erfolgsmessung anging, lag – ehrlich gesagt – viel Wahrheit im legendären Henry Ford Zitat: „Ich weiß, die Hälfte meiner Werbung ist hinausgeworfenes Geld. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte“. So eine Situation ist für werbetreibende Unternehmen und auch für Werbeagenturen natürlich auf die Dauer unbefriedigend.

Und nun die gute Nachricht

Sit damals ist sehr viel Wasser die Weschnitz heruntergeflossen und die Werbewelt hat sich von Grund auf verändert. Neue Schlagworte wie Data-Driven-, Omnichannel- oder Content-Marketing bestimmen heute den Fachdialog. Ohne auf solche Begriffe im Einzelnen eingehen zu wollen, vermitteln sie doch recht gut, in welche Richtung wir uns – dank neuer Technologien – entwickelt haben. Wir können mittlerweile viel besser analysieren, was „wirkt“ und was am Markt „nicht zieht“. Potenzielle Zielgruppen können über eine Vielzahl neuer (und alter!) Kanäle angesprochen werden.

Formate wie Whitepaper, Webcasts oder E-Books stehen unter ständiger Beobachtung, werden weiterentwickelt oder – nach einiger Zeit – wieder verworfen. Die Customer-Journey – also die begleitete Entwicklung eines möglichen Interessenten zu einem zufriedenen und wiederkehrenden Kunden – ist gut analysierbar und ermöglicht eine insgesamt wesentlich gezieltere und somit auch erfolgversprechendere Ansprache. „Werbung die nervt“ muss heute einfach nicht mehr sein.

Marketing ist parallel zu diesen Entwicklungen natürlich komplexer geworden. Aber es ist auch spürbar näher ans Kerngeschäft der Unternehmen herangerutscht. Der gemeinsame Blick auf die Zahlen, Daten und Fakten einzelner Kampagnen hat vieles vereinfacht. Henry Ford hätte daran sicher seine helle Freude.

Heute analysieren wir die Customer-Journey. (C) @flenjoore

Summa Summarum „4.0“

Zusammenfassend lässt sich aus meiner Sicht festhalten: Google, Facebook, E-Mailings & Co. ernten in der öffentlichen Diskussion zwar viel Kritik und das ist in Teilen sicherlich auch berechtigt. Aber gerade diese neuen Kanäle haben uns auch näher – und gleichzeitig weniger aufdringlich – an unsere Zielgruppen herangeführt. Mit den richtigen Inhalten und der absolut nötigen Offenheit für stetes Experimentieren, gibt es für uns auf diesen Feldern noch viel zu gewinnen. Wir Werber und Marketiers waren mit der Digitalen Transformation vergleichsweise früh konfrontiert, weil viele Innovationen ab der ersten Internet-Welle ihre Kapitalisierung über neue Werbemöglichkeiten realisiert haben. Deshalb mussten wir uns – teilweise schon vor zwanzig Jahren – von althergebrachten Mechanismen lösen, verbunden mit der Erkenntnis, dass die Digitalisierung gar kein abstraktes Hexenwerk ist, sondern echte Chancen bietet. Man darf sich nur von den vielen „Buzzwords“ nicht Bange machen lassen und muss den Nutzen für das eigene Geschäftsfeld konsequent hinterfragen. So klappt es und so macht es unter dem Strich auch wirklich Spaß.