Interview mit Dr. Mohsen Sohi

„Nicht eine Frage von ob, sondern eine Frage von wie schnell“

Neue Mobilitätskonzepte stellen Automobilhersteller und Zulieferer vor große Herausforderungen. Ihre Aufgabe ist es, die Elektromobilität serienmäßig auf die Straße zu bringen. Die Freudenberg Gruppe als wichtiger Zulieferer setzt sich mit dieser Entwicklung intensiv auseinander und arbeitet mit Hochdruck an innovativen Lösungen. Im Interview beschreibt Dr. Mohsen Sohi, Sprecher des Vorstands, die Ziele und Chancen des Technologiekonzerns.

Herr Dr. Sohi, neue Mobilitätskonzepte werden die Automobilindustrie in den kommenden Jahren spürbar verändern. Welche Rolle wird die Freudenberg Gruppe spielen?

Dr. Mohsen Sohi: Unsere Stärke ist unsere breite Aufstellung. Wir sind Weltmarktführer in unseren Nischen. Wenn es darum geht, Kunden innovative Produkte für Autos mit Verbrennungsmotor zu liefern, bieten wir entsprechende Lösungen. Ein Teil dieser Produktpalette kommt in Hybrid-Fahrzeugen zum Einsatz, wo wir zusätzliche Kompetenz aus mehr als zehn Jahren Erfahrung mit Hochleistungsbatterien einbringen. Diese sind relevant für rein elektrisch betriebene Autos und am Ende auch für eine vierte Antriebsmöglichkeit: die Brennstoffzelle. Hier forschen wir sogar schon seit 20 Jahren.

Was denken Sie, wie schnell sich die Industrie verändern wird?

Dr. Sohi: Bis zum Jahr 2030 rechnen wir mit weltweit etwa 30 Prozent an Fahrzeugen, die elektrisch betrieben sein werden – unabhängig davon, ob es sich um einen reinen Elektromotor oder einen Plug-in Hybrid handelt.

Ist dies so leicht vorhersehbar?

Dr. Sohi: Es ist nicht eine Frage von ob, sondern eine Frage von wie schnell. Die Entwicklung ist regional sehr unterschiedlich und hängt auch immer von länderspezifischen Rahmenbedingungen ab – politische Entscheidungen zum Thema Umwelt und Energie werden ebenfalls zum Tragen kommen.

Neben der Industrie und einzelnen Ländern – welche Bedeutung spielen die Nutzer?

Dr. Sohi: Eine ganz wichtige. Die Nachfrage bestimmt immer das Angebot. Wir gehen davon aus, dass mehrere Antriebsarten, je nach Nutzerverhalten, relevant sein werden. In Ballungszentren haben Elektrofahrzeuge eine schnellere Zukunft, während effiziente Verbrennungsmotoren in ländlichen Gegenden und auf größeren Distanzen Vorteile bieten. Je nach Bedarf des Nutzers wird es also eine entsprechende Technologie geben. Wir erwarten eine Evolution und keine Revolution.

Was sind Ihre Ziele als Unternehmen?

Dr. Sohi: Wir wollen auch in Zukunft kompetenter Lösungsanbieter für hochtechnische Innovationen sein – dies gilt für alle Antriebsarten. Aspekte wie die weitere Verbesserung heutiger Verbrennungsmotoren, Hybride oder Brennstoffzellenfahrzeuge gehören ebenso dazu, wie reine Elektroautos.

Wo liegen die Chancen für Freudenberg?

Dr. Sohi: Wir sind sehr gut vorbereitet. Dank unserer Technologie- und Materialkompetenz werden wir strategischer Partner vieler OEMs bleiben. Nehmen wir unsere Produkte für die Batterietechnik oder auch für die Brennstoffzelle. Hier werden unsere Vliesstoffe und Filter Relevanz haben. In unserem Dichtungsgeschäft werden möglicherweise andere Produkte in den Vordergrund treten, aber ebenso wichtig bleiben. Unsere Aufgabe wird es sein, Bestehendes weiter zu entwickeln, neue Ideen anzustoßen und zusammen mit unseren Kunden voranzutreiben.

Was umfasst Ihr Portfolio?

Dr. Sohi: Unsere Komponenten kommen häufig an kritischen Stellen zum Einsatz. Sie finden sich in der Batterie, dem Motor, der Ladeeinheit und vielen weiteren Elementen. Innovative Freudenberg-Lösungen helfen, Autos dank neuester Batteriekomponenten sicherer zu machen. Filter sorgen für saubere Luft im Fahrzeuginneren. Ein breites Dichtungsportfolio erhöht die Lebensdauer und verbessert das Thermomanagement. Autos werden dank neuester Vibrationskontrollsysteme leiser, durch Spezialschmierstoffe effizienter.

Also bleibt die Automobilindustrie wichtig für Ihr Unternehmen?

Dr. Sohi: Die Automobilindustrie ist und bleibt sehr wichtig für Freudenberg, unsere Kunden treiben uns stets zu Innovationen an. Techniken, die wir für die Autoindustrie entwickeln, können wir auch anderswo in der Gruppe nutzen.

Video: Freudenberg drives New Mobility