Saubere Luft für ein gesünderes Leben

Mit strengeren Abgasnormen und einer raschen Umstellung auf Elektrofahrzeuge will Indien das Problem der wachsenden Luftverschmutzung in den Griff bekommen. Einstweilen schaffen Kfz-Innenraumfilter von Freudenberg Abhilfe.

Landung auf dem Indira-Gandhi-Flughafen, kurz nach Mitternacht. Schon auf dem kurzen Weg über den Flugsteig riecht es verbrannt. Wieder einmal hat sich der Smog wie eine dichte Decke über die indische Hauptstadt gelegt. Was dem Kurzzeit-Besucher unangenehm ist, hat für die Bevölkerung dramatische Folgen: Einer von 100 Einwohnern stirbt jedes Jahr vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung, rund 1,2 Millionen Menschen im ganzen Land. Zudem entstehen durch den permanenten Smog Kosten in Höhe von etwa drei Prozent des Bruttosozialprodukts. Diese erschütternden Zahlen stammen aus einem kürzlich veröffentlichten Greenpeace-Bericht, der die Luftverschmutzung in indischen Städten untersuchte. Besonders kritisch: Der Report zeigt, dass die tödliche Luftverunreinigung nicht auf die Hauptstadt-Region Delhi oder die anderen Metropolen beschränkt ist. Nach Aussagen der Umweltschutzorganisation erfüllt nahezu kein Ort in Indien die Standards der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Belebte Straße in Jaipur, Indien.

Luftverschmutzung bekämpfen

Die permanente Verschlechterung der Luftqualität in den vergangenen Jahrzehnten ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Die rasche Industrialisierung seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes in den 1990er Jahren, großflächige Bebauung und die weit verbreitete Brandrodung führen vor allem in den Wintermonaten in Nordindien zur Smog-Bildung. In den Augen der Öffentlichkeit ist jedoch der Abgasausstoß von Fahrzeugen die wichtigste Ursache. Nahezu täglich wird in Medienberichten darauf hingewiesen, dass der kontinuierliche Kontakt mit Autoabgasen zu einem signifikanten Anstieg von Atemwegserkrankungen, Allergien und sogar Krebs geführt hat.

Die indische Regierung hat der Luftverschmutzung den Kampf angesagt und einige harte und unpopuläre Entscheidungen getroffen. So wird ab dem Jahr 2020 die Abgasnorm „Bharat Stage VI“ verbindlich eingeführt, die mit einigen Abweichungen der in Deutschland geltenden Euro 6-Norm entspricht. Derzeit gilt in Indien die Stufe IV, die fünfte Stufe wird komplett übersprungen. Nicht nur aus Sicht der Automobilindustrie bedeutet die schnelle Einführung strenger Grenzwerte eine Herausforderung. Auch die Mineralölindustrie muss handeln und besonders saubere Kraftstoffe einführen. Beide Branchen bereiten deren Einführung vor und sind Beobachtern zufolge auf einem guten Weg.

Eine deutliche größere Herausforderung stellt die von der Regierung vorgegebene Zielsetzung dar, bis 2030 alle Fahrzeuge auf elektrische Antriebe umzustellen. In einer kürzlich veröffentlichten Studie kommt der Verband der indischen Automobilindustrie SIAM zu dem Schluss, dass im Jahr 2030 zwar alle Neufahrzeuge für den öffentlichen Personennahverkehr, jedoch erst 40 Prozent aller landesweit verkauften Pkw und Lkw elektrisch angetrieben würden. 100 Prozent aller Fahrzeuge wären erst zum 100. Jahrestag der indischen Unabhängigkeit, also im Jahr 2047, mit batterieelektrischem Antrieb oder Brennstoffzelle ausgestattet. Parallel arbeiten die Autohersteller daran, die Abgasemissionen aus Benzin- und Dieselmotoren deutlich zu verringern. So soll die Einführung von 48-Volt-Hybridantrieben sowohl die Schadstoffbilanz verbessern als auch den Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren verbessern. Von der Optimierung der Verbrennung bis zu einer besseren Kraftstoffeinspritzung sind Experten zufolge noch viele technische Maßnahmen möglich. Zudem wurde längst erkannt, dass eine effiziente Abgasnachbehandlung einen direkten Einfluss auf die lokale Luftqualität hat.

Verkehr in Delhi.

Kfz-Innenraumfilter für den indischen Markt

Im Kampf gegen die Folgen der Luftverschmutzung spielen Kfz-Innenraumfilter von Freudenberg eine wichtige Rolle: Eigenständig oder als Teil der Klimaanlage halten sie Verunreinigungen zurück, die ansonsten in die Fahrgastzelle gelangen. Partikel, Pollen, Pilzsporen oder andere allergieauslösende Stoffe werden genauso gestoppt wie größere luftgängige Teile, Reste des am Straßenrand liegenden Mülls etwa. Ungefiltert kann die Luft im Fahrzeug-Innenraum bis zu sechsmal verschmutzter als die Außenluft sein. Der Grund: Ein Auto saugt das Abgas der vorausfahrenden Fahrzeuge an; Experten nennen das den „Tunneleffekt“. Er führt dazu, dass besonders gesundheitsgefährdende Kleinstpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer (PM10) in einer Konzentration von bis 2.000 Mikrogramm pro Kubikmeter auftreten können. Bedenkt man, dass ein Autofahrer in Indien täglich drei bis vier Stunden in seinem Fahrzeug verbringt, kann ein Kfz-Innenraumfilter mit hohen Abscheideraten Leben retten. Zudem hält er auch allergieauslösende Stoffe von den Insassen fern.

So sind die Ausstattungsraten mit Kfz-Innenraumfiltern in Indien signifikant gestiegen: War vor fünf Jahren noch eines von fünf neuen Autos mit einem solchen Filter ausgestattet, sind es nun 80 Prozent. In den nächsten zwei bis drei Jahren sollen innovative Filter auf den Markt kommen, die auch ultrafeine Partikel mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometer zurückhalten können. Einen weitere für den indischen Markt neue Technologie besteht in Aktivkohlefiltern, die atembeschwerende Gase wie Stickoxid-Dioxid oder Ozon zurückhalten.

In der Stadt Pune, in der viele Automobilhersteller ihre Werke haben, produziert Freudenberg Filtration Technologies für den wachsenden indischen Markt. Vor Ort kümmert sich ein kleines Team aus Applikationsingenieuren darum, die Filter auf die in Indien produzierten Fahrzeuge anzupassen. Die Grundlagentechnologie wird am Stammsitz in Weinheim permanent weiterentwickelt. Dort arbeitet der Zulieferer auch an Lösungen für Fahrzeuge mit batterie-elektrischem oder Brennstoffzellen-Antrieb. Die werden eine wichtige Rolle spielen, wenn in Indien eines Tages nur noch E-Autos auf den Straßen fahren.