Interview mit Professor Dr. Günther Schuh

Freudenberg Forum: Die Zukunft der Mobilität

Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Professor Dr. Günther Schuh zählt neben seiner Lehrtätigkeit an der RWTH Aachen als Miterfinder des „Street Scooters“ und Gründer und CEO der e.GO Mobile AG zu den führenden deutschen Ingenieuren im Bereich innovativer Mobilitätskonzepte. Im Rahmen des Freudenberg Forum: Die Zukunft der Mobilität sprach Schuh über die Herausforderungen und Möglichkeiten – aber auch die Chancen, die sich für die Zulieferindustrie ergeben.

Herr Prof. Schuh, was erwarten Sie von einem modernen Automobil-Zulieferer?

Professor Dr. Günther Schuh: „Gerade die deutschen Zulieferer sind schon immer die eigentlichen ‚Befähiger‘ der Autoindustrie und ich halte sie für die entscheidenden Brückenbauer. Sie haben die alte Technologie verinnerlicht, können diese weiter verbessern und sind zum Teil ‚First-Mover‘ in neue Technologien. Damit pushen sie die Großen in Richtung Zukunft.“

Also wird die Rolle von Zulieferern wie Freudenberg wachsen?

„Ohne die Zulieferindustrie würden viele der heute neu konzipierten Fahrzeuge nicht fahren. Wir brauchen dringend Unternehmen mit verschiedenen Kompetenzbereichen. Die Freudenberg Gruppe ist ein ‚Multi-Technology-Unternehmen‘, welches das ganze Spektrum abdeckt – und wir müssen den Spakat des Antriebsmixes meistern. Es wird auf einen Mix verschiedener Antriebsarten ankommen.“

Professor Dr. Günther Schuh zählt neben seiner Lehrtätigkeit an der RWTH Aachen als Miterfinder des „Street Scooters“ und Gründer und CEO der e.GO Mobile AG zu den führenden deutschen Ingenieuren im Bereich innovativer Mobilitätskonzepte.
 

Wie schnell wird der Wandel hin zur neuen Mobilität ablaufen?

„Der Wandel innerhalb der Mobilität könnte schneller gehen, als manche konservativen Prognosen hoffen lassen – ich denke, das muss auch schneller gehen.“

Was sind aus Ihrer Sicht die gravierendsten Veränderungen?

„Es wird sich einiges verändern, vor allen Dingen in Städten, was auch neue Kategorien von Fahrzeugen notwendig macht – wie beispielsweise People oder Cargo Mover. Hier sehe ich eine große Chance für Newcomer – wie wir mit ‚Street Scooters‘ und ‚e.GO‘ bewiesen haben.“

Also wird es ein Wettkampf zwischen den Etablierten und den Neuen?

„Es wird viele neue Hersteller auf dem Markt geben. Aber ich mache mir keine Sorgen, dass die Etablierten nicht schon längst an guten eigenen Konzepten arbeiten. Der Vorteil der Kleineren ist das Thema Geschwindigkeit.“

Auf welcher Antriebsformen sollte der Fokus liegen?

„Von einem Mix auszugehen bzw. sich breit aufzustellen, ist eine clevere Entscheidung. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, sich nur auf einen Bereich zu konzentrieren. Man wird alles brauchen: Verbrenner, Elektromobilität und Brennstoffzelle – ein großes Portfolio ist dringend notwendig.“

Wie schafft es ein neues Fahrzeug zum Erfolg?

„Erfolgreich zu sein, ist gar nicht so schwer. Man braucht einen Zugang zu individuellen Partnern wie den Zulieferern. Zusammen arbeiten wir an Innovations- und Forschungsprojekten. Wenn man dann ein gutes Konzept im Auge hat, machen diese Partner auch mit. Das Stichwort ist Innovationsfreude.“

Wie sieht das Auto der Zukunft also aus?

„Die Autos der Zukunft müssen einfach zu bedienen sein, verschiedene Antriebsarten tolerieren, wertstabil bleiben, das Design-to-cost-Verhältnis in einem gesunden Verhältnis zueinanderstehen, aber auch digitale Komponenten integrieren.“