Consumer Electronics Show Las Vegas

Impulse aus dem Westen

Das Autojahr 2018 beginnt mit wichtigen Messen in den USA. Neben der traditionellen Autoshow in Detroit hat sich die Consumer Electronics Show  (CES) in Las Vegas als Branchentreffpunkt etabliert. Wo einst nur Autoradios ausgestellt wurden, stehen nun Roboterautos und der vernetzte Verkehr im Rampenlicht.

Der Theatersaal in einem Luxushotel mitten in der Wüstenstadt Las Vegas ist bis auf den letzten Platz besetzt, als das Licht erlischt. Nach kurzer Pause fährt ein futuristisches Fahrzeug durch den Kunstnebel auf die Bühne. Unter der plötzlich erstrahlenden Bühnenbeleuchtung entsteigt Gary Shapiro dem silbernen Luxusauto eines deutschen Premiumherstellers. Shapiro leitet den Verband „Consumer Technology Association“, die alljährlich die CES ausrichtet. Die Szene aus dem Jahr 2015 markierte einen Meilenstein in der Entwicklung der CES, die vor mehr als 50 Jahren als Einkaufsmesse für Unterhaltungselektronik gegründet wurde. Immer Anfang Januar, das Weihnachtsgeschäft im Rücken, sollten die Einzelhändler die Bestellungen für das kommende Jahr aufgeben.

Längst gibt es im Fahrzeug fast keine Innovation mehr, die nicht im direkten oder indirekten Zusammenhang mit Elektronik steht

Produkte fürs Auto gehörten schon von Anfang an dazu. Ausgestellt wurden zuerst Autoradios, später Entertainment-Center mit überdimensionierten Lautsprechern. Auch die Dezibel-Max-Fraktion findet man heute noch, am Rand einer Halle, in der viele namhafte Fahrzeughersteller und Zulieferer vertreten sind. Sie präsentieren Mensch-Maschine-Schnittstellen, Fahrerassistenzsysteme und Prototypen vollautonomer Fahrzeuge. Zukunftstechnologie in Reinkultur. Angefangen hat damit ein Unternehmen aus dem Silicon Valley, im Jahr 2006, als in deutschen Unternehmen ein Dienstreiseantrag nach Las Vegas bestenfalls Unverständnis hervorrief. Google-Mitgründer Larry Page hielt eine „Keynote“, wie die begleitenden Reden prominenter Unternehmenslenker hier genannt werden.

Er sprach nicht nur über den Wert von Algorithmen, sondern ließ ebenfalls ein autonomes Fahrzeug auf die Bühne fahren. Hierbei handelte es sich um einen von der Stanford-Universität umgebauten Volkswagen Tuareg, von seinen Schöpfern „Stanley“ genannt. Mit ihm hatten Experten für Künstliche Intelligenz im Jahr 2005 einen Wettbewerb gewonnen, bei denen fahrerlose Autos in der Wüste von Nevada verschiedene Aufgaben bestehen mussten. Wie das mit Google zusammenhängt, konnte Page zwar nicht erklären, aber er fand diese Technologie „cool“ und schwärmte von der Idee, selbstfahrende Autos alltagstauglich zu machen. Google investierte Milliarden in diese Technologie und forderte damit die gesamte Autobranche heraus. Und die CES wurde zum Spiegelbild dieser rasanten Entwicklung. Trotz anfänglicher Skepsis kamen immer mehr Autohersteller und Zulieferer, auch aus Deutschland. Sie präsentierten zunächst seriennahe Systeme für teilautonomes Fahren, doch für den IT-Analysten Thilo Koslowski war schon vor Jahren klar, „dass Autos in Zukunft wesentlich innovativer und ‚cooler‘ sein werden als Smartphones. Das Auto ist besser vernetzt und bietet viel mehr Möglichkeiten für eine aufregende elektronische Nutzererfahrung“. In Las Vegas werden zahlreiche Studien und Concept Cars mit innovativen Technologien vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen die Zukunft der Digitalisierung, Konnektivität oder futuristische Bedienelemente.

Längst gibt es im Fahrzeug fast keine Innovation mehr, die nicht im direkten oder indirekten Zusammenhang mit Elektronik steht. Kein Wunder, dass auch die IT-Branche die CES als Plattform für den Dialog mit der Automobilindustrie entdeckt. Bestes Beispiel dafür ist der Chiphersteller Nvidia, der sich vom einstigen Grafikkartenmarkt vollends auf die Automobilindustrie umgestellt hat. 2016 stellte das Unternehmen einen Prozessor vor, der Supercomputer-Power fürs Auto liefern soll. Auf derselben Messe zeigten Zulieferer, wie sie das Auto der Zukunft mit dem Haus und der Verkehrsinfrastruktur verbinden wollen.

Die CES ist eine der weltweit größten Fachmessen für Unterhaltungselektronik und findet jährlich im Januar in Las Vegas statt.

Gesamtmarkt wird bis 2025 auf 42 Milliarden US-Dollar ansteigen

Mittlerweile zählt sich jeder fünfte Aussteller zur Automobilindustrie. Knapp 140 Firmen mit 20.000 Quadratmeter Fläche waren 2017 in dieser Produktgruppe vertreten. „In den Jahren zuvor wurde noch überwiegend über Konzepte und Ideen geredet, jetzt aber dreht sich alles nur noch darum, wie man damit am schnellsten in die Produktion gehen kann“, sagte Accenture-Analyst Luca Mentuccia. Diese Einschätzung zeigt sich auch am Marktvolumen. So meinen die Analysten der Boston Consulting Group, dass der Gesamtmarkt bis 2025 auf 42 Milliarden US-Dollar ansteigen wird.

Allein für den Autobereich auf der CES 2018 haben sich mehr als 400 Aussteller angemeldet, fast dreimal so viele wie im Vorjahr. Der deutliche Anstieg ist darauf zurückzuführen, dass neben den großen Autoherstellern und Zulieferern auch immer mehr kleinere Spezial- und Serviceanbieter nach Las Vegas kommen. Die großen Automarken stellen nicht neue Fahrzeugmodelle, sondern Technologie-Angebote in den Vordergrund. So zeigt Mercedes-Benz eine neue Generation von Infotainmentsystemen vor, die auf Künstlicher Intelligenz basiert. Auch bei ZF steht Künstliche Intelligenz im Vordergrund: Der Zulieferer speist vor Ort laufend Daten aus Erprobungsfahrten in das Steuergerät eines hochautomatisierten Fahrzeugs ein, um zu demonstrieren, wie maschinelles Lernen funktioniert. Noch einen Schritt weiter in Richtung autonome Systeme geht Honda mit den Robotern der Serie 3E, die im Haushalt oder in schwerem Gelände unterwegs sein sollen.

Das Fokusthema auf der CES 2018 hat auf den ersten Blick gar nichts mit dem Auto zu tun, es lautet „Smart Cities“, intelligente Städte also. Doch die Idee vollständig vernetzter Städte hat Rückenwind, seit Apple und Google bekannt gegeben haben, eigene Städte als Versuchslabore zu bauen. Autos, vor allem in Form selbstfahrender Robotertaxis, sind Teil des vernetzten Stadtlebens. Dazu passt die geplante Sonderausstellung auf der CES, in der unter anderem Ford, Bosch, Nissan und der Chiphersteller Qualcomm vertreten sind. „Der Bereich Smart Cities erlebt eine gewaltige Dynamik und hat einen immensen Einfluss auf die weitere Entwicklung neuer Technologien, aber auch auf die Politik, das Transportwesen und die Kommunalverwaltungen“, sagt Messechef Shapiro über diese Initiative.